Leerstand: Ermutigende Fahrraddemo

Etwa 50 AktivistInnen radelten vergangenen Samstag durch die Stadt, um auf verwaiste Wohnungen und Häuser in Konstanz aufmerksam zu machen. Obwohl immer mehr Menschen bezahlbaren Wohnraum suchen, ist überall Leerstand festzustellen. Die Veranstalter zeigten sich erfreut über die Beteiligung. Spätestens Mitte September soll es eine zweite und weitaus größere Fahrraddemo zum Thema geben.

Die Tour führte zuerst über die Hussenstraße, mit Halt vor einem riesigen Areal mitten in der Stadt. Das der Brauerei Ruppaner gehörende Gelände mit diversen Anbauten reicht bis an die Laube und ist eines der letzten Grundstücke, das geeignet wäre, um dort u.a. weiteren Wohnraum zu schaffen. Doch Ruppaner blockiert. Weiter ging es dann zur Oberen Laube 56. Auch dort rottet seit Jahren ein Haus vor sich hin. Der Besitzer versicherte zwar mehrmals, seine Immobilie zu renovieren, aber bislang tut sich da: nichts.

Ebenfalls an der Laube die ehemalige Filiale der Landeszentralbank. Seit über zehn Jahren steht das prächtige Gebäude leer. Rund 500 Quadratmeter könnte man mit Leben füllen. Im Untergeschoss soll sich ein Atombunker befinden, dazu Unterkünfte nebst Küche und Schlafstätten, käme jemand auf die Idee, Konstanz einzuäschern. Der Konstanzer Immobilienhändler Reimann, der das Projekt längere Zeit im Angebot hatte, bot es auch der Stadt an, allerdings zu einem Preis, der schier astronomisch war. Neuesten Informationen zufolge soll sich nun ein Hamburger Investor das Gebäude unter den Nagel gerissen haben. Was er konkret damit vorhat, ist noch unklar.

Dann ging es zur Brauneggerstraße 25. Das Haus gehört dem Konstanzer Schuhhändler Uwe Rauhut. Fünf Wohnungen in bester Lage stehen da seit langen Jahren leer. Die Verwaltung drängt auf Instandsetzung und droht auch mit Zwangsgeldern wegen Verstoßes gegen die Zweckentfremdungsverordnung, die auch in Konstanz seit rund sechs Jahren angewendet werden kann. Doch der Hauseigner findet immer wieder Ausflüchte, um eine Renovierung und Vermietung weiter in die Länge zu ziehen. Was den Mann treibt, ist sogar seinem weiteren Bekanntenkreis nicht klar. „Der kommt zweimal die Woche in sein Haus“, erklärte einer, „macht das Licht an und freut sich, dass ihm das alles gehört“.

Der weitere Weg führte ins hochpreisige Musikerviertel. Zuerst wurde eine denkmalgeschützte Villa in der Neuhauserstraße angeradelt, die der Familie Nissenbaum gehört. Man glaubt es kaum: Diese Immobilie steht seit mehreren Jahrzehnten leer. Ein reines Spekulationsobjekt ihres Besitzers, der in Konstanz einer der Hauptvermieter ist. Vergangenes Jahr noch erklärte Nissenbaum gegenüber der Verwaltung, er wolle das Haus wieder seiner eigentlichen Bestimmung zuführen. Doch dementsprechende Aktivitäten sind nicht feststellbar.

Quasi um die Ecke das nächste Objekt in der Zeppelinstraße 4, das ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Der frühere Besitzer spekulierte wohl mit Abriss und ließ auch im Winter alle Fenster offen, damit es kräftig reinregnet. Dazu stand ihm der Sinn nach Neubauten auf dem großen Grundstück, die er dann zu horrenden Preisen gerne auf den Markt geworfen hätte. Doch daraus scheint nichts geworden zu sein. Nun hat wohl ein Konstanzer Anwalt das Anwesen erworben, der es wieder herrichten und bewohnen will.

Den Abschluss der fidelen Demoradler bildete ein fast schon symbolträchtiger Besuch in der Markgrafenstraße 10. Zur Erinnerung: Dieses Gebäude, das dem Versicherungsmakler Schafheutle gehört, wurde ziemlich genau vor einem Jahr besetzt und wenige Tage danach mit einem immensen Polizeiaufgebot wieder geräumt. Ein Redner der damaligen Besetzer erinnerte daran, erklärte aber auch, dass die BesetzerInnen von „Grafi 10“ auf finanzielle Unterstützung angewiesen seien, denn gegen sie wurden Geldstrafen verhängt. Spenden sind erwünscht unter: Die Falken – DE 6569 2910000 2266 51608.

Die HauptorganisatorInnen der ersten Demoradlertour gegen Leerstand, Stefan Frommherz und Sybille Röth, Bundestagskandidatin der Linkspartei, zeigten sich zufrieden: „Das war ein guter Auftakt, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Wir haben zwar nur wenige Objekte vorgestellt, denn es gibt noch weitaus mehr“. Geplant ist gegen Mitte September eine zweite Leerstands-Radeltour, für die man ein noch breiteres und auch parteiübergreifendes Bündnis schaffen will.

Text: H. Reile